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freie energien – temporaere praesenzen

temporaere praesenzen – Freie Energien 1 Oktober 2011 Shedhalle Zürich, unter Strom

dialogische Audio-Installation

Call: +41 325114980

“Temporäre Präsenzen – Freie Energien” ist ein diskursives dialogisches Format, das als partizipative Aktion zur Eröffnung der Ausstellung “Unter Strom. Kunst und Elektrizität” in der Shedhalle Zürich durchgeführt und während der Ausstellung als Audioinstallation vermittelt wird. In dem Kunstprojekt geht es um eine Art der exoakademischen Wissensgenerierung, die sich aus individuellen Zweier-Gesprächen der TeilnehmerInnen ergibt. Mittels eines vom Künstler programmierten und installierten autonomen Mobilfunknetzes werden während der Eröffnung Gespräche zwischen eingeladenen TeilnehmerInnen und dem Publikum geführt. Die Eingeladenen sind Menschen aus unterschiedlichen Bereichen von Wissen und Schaffen, Denken und Tun, Argumentieren und Experimentieren zum Thema Elektrizität und freier Energie. Im Ausstellungs­raum befinden sich circa 50 vorbereitete Fragekarten wie z.B. “Vor wem verbeugt sich das Elektron?” mit entsprechenden Telefonnummern. Die privaten Zweier-Gesprächen werden aufgezeichnet und bilden so ein Archiv, das sich aus der Vielfalt der geführten Gespräche des Abends zusammensetzt.

Nach der Aktion und in der Ausstellung steht eine öffentliche Telefonnummer bereit, um sich ins Archiv einzuwählen und den Gesprächen zuzuhören. Inhalt der Gesprächschoreografie ist eine Sichtweise auf elektrischen Strom und Energie, die sich nicht in in erster Linie aus einem physikalischem Blickwinkel und einer technischen Wirkungsweise erschliesst, sondern Fragen nach Energie und Strom als etwas medial Konstruiertes stellt. Energie als vermischte Erzählung, die durch Kultur, Natur, Gesellschaft, Wissenschaft, Sehnsüchte, Wünsche und Vorstellungen erzeugt und bedingt wird. Im Projekt geht es weder um Wahrheitsfindung noch um konkrete Problemlösungen von Energiefragen, sondern um Wissensgenerierung durch Erzählungen. “Temporäre Präsenzen – Freie Energien” versucht, einen opaken Ort zu schaffen, der eine Repräsen­tation für das Unfertige, Denkbare oder nicht Beweisbare möglich macht, in dem diese Geschichten neu gesprochen, weiter erzählt und immer neuzusammengefügt werden können.

Shedhalle

Rote Fabrik

Seestrasse 395

8038 Zürich

Freitag, 7. Oktober 2011, 19 Uhr

gespräche:

1 = Caller (Tel.-Nr. 1006)

2 = Callee (Tel.-Nr. 10112)

1 [Tut, Tut]

Hey, und dann, jetzt?

Hallo?

Also ich hör nichts.

2 Jetzt geht es.

1 Ah, jetzt geht es. [lachen]

[unverständlich]

2 Dann können wir es auch abstellen.

1 Muss es nicht aufgenommen werden?

2 Wird es aufgenommen?

1 Ich glaub, weil nachher spielts irgendwie ab.

2 Ah ok. Dann geh ich mal…

1 Wie gehts jetzt weiter?

[Pause]

Ich glaub in der Ecke hat’s kein Wlan.

2 Wie bitte?

1 Vielleicht… Ah ja. Geht immer noch.

2 Ja klar.

1 Gut. Und?

2 Jetzt geht es ja darum einer Frage nachzugehn. Ich habe sie aber nicht!

1 Die Frage ist bei mir: War oder ist Elektrizität Leben?

2 Ja, das ist eine fast nicht beantwortbare Frage, aber sie ist in der Hinsicht sehr spannend, weil im 18. Jahrhundert die frühe, die animalische Elektrizität oder die ersten Phänomene der Elektrizität wurden sehr stark mit Lebenden verbunden, spätestens nachdem [Luici] Galvani diese Froschversuche gemacht hat, was zur gleichen Zeit war, als man den Blutkreislauf entdeckte, hatte man die Annahme, dass vielleicht das elektrische Fluidum, dieser damals elektrisch-statischen Entladung, die man quasi als Flicken oder Elektroschocks spüren konnte, dass das vielleicht Elektrizität Leben sein könnte.

1 Ja man dachte ja, das sei wie… also der Ursprung… der Spirit, der Strom. Das war ja die Geschichte mit der Aura, die ja auch nur Strom ist, dachte man, das sei das Zeichen von Leben.

2 Die Aura, das führt weiter. Das ist dann noch komplizierter. Auren oder Aurenfotografien kommen erst mit der Fotografie auf im 19. Jahrhundert. Aber die Idee, dass Elektrizität also quasi der Funke Leben stiftet oder überhaupt in unseren Körpern Elektrizität an sich, von dem man nicht wusste, was es ist, dieses seltsame Fluidum, dass es Leben ist. Das ist also nochmal ein ganzes Ende früher. Ich finde die Frage eigentlich deswegen spannend, weil man eigentlich nicht mehr im Sinne des 18. Jahrhunderts sagen würde, Elektrizität ‚ist‘ Leben. Auf der anderen Seite wird ja mit dem Defibrillator elektrisch wiederbelebt. Der Tod ist elektrisch definiert. Bis in die Fünfzigerjahre hinein war der Tod … war man tot, wenn das Herz nicht mehr schlug und man nicht mehr geatmet hat. Man hat früher den Leuten eine Feder vor den Mund gehalten und wenn es kein Gasaustausch gab, war man wohl tot. Seit der Berger und der Entdeckung quasi des Elektroenzephalogramm, also des EEG’s, ist heute per Definition man dann tot, wenn keine Ströme mehr im Hirn nachgewiesen werden. In einer ganz neuen medizinischen Weise könnte man wieder sagen, wenn der Tod elektrisch definiert wird, dann muss das Dasein von elektrischen Strömen im Hirn also Leben repräsentieren.

1 Der Körper ist ja an sich eine Maschine, die aufgrund von Elektroimpulsen funktioniert. Das Hirn, die Nerven, die Muskeln, das funktioniert alles nach Elektro. Im Prinzip sind wir eine Maschine, die Futter in Elektro umwandelt.

2 Ja. Von daher wäre es immer noch eine These, dass man sagen kann, was wir als Leben definieren, können wir elektrisch definieren. Obwohl die Versuche, dass man elektrisch nun Leben stiften kann, was wir auch bei Frankenstein finden, was eben auch auf Experimenten beruht, die These, die dazu geführt hat, dass Dr. Frankenstein sein Monster elektrisch wiederbelebt. Das sind letztendlich alles Versuche, die versuchen, die Galvan-Versuche auch am Leben durchzuführen.

1 Ja ja, ich meine es ist ja so: Bei der Wiederbelebung ist es ja auch so, dass man diesem leblosen Körper Elektroströme gibt, damit das Herz wieder anfängt zu schlagen.

2 Ja das mein ich, das ist ja der Defibrillator. Da wird einen Elektroschock gegeben und dann fängt es wieder an. Von daher: Auf einem anderen Wege mag Elektrizität auch Leben sein. Damals war es noch universeller, man dachte wirklich, wenn das Blut die Nährstoffe in den Körper bringt, also der Saft des Lebens ist, dann ist das Leben an sich Elektrizität. Also philosophisch reicht es weiter.

1 Jaja, das ist schon klar. Weil wir heute uns grundsätzlich nie mit dieser Frage befassen, aber wenn wir das machen, kommen wir wahrscheinlich auch nicht viel weiter als dass dieser Strom, dieser Stromfluss, dieser Stromverbrauch der Grund ist, wieso wir leben, oder wieso dass unser Körper funktioniert. Ohne Strom, ohne diesen Hirnstrom können wir ja gar nicht denken. Grundsätzlich weiss man ja nicht richtig, ob der Strom an sich nur der Benzin vom Auto ist, oder doch mehr als nur das Benzin. Alles ist ja elektrisch. Es sind ja Ladungen, von Muskeln, Hirn, Nerven. Kann man sich fragen, was mehr lebt: diese biologische Materie oder eben der Strom.

2 Ja, das ist eben daran die spannende Frage. Und an der Frage der Elektrizität zerbricht ja auch quasi die Suche nach einem eindeutigen Materialbegriff. Das heisst, eigentlich ist diese Frage immer noch unbeantwortbar und dadurch enorm spannend. Man würde heute sagen, dass das alles Dinge sind, die wir separieren können. Wir können Hirnströme messen, wir können elektrisch stimulieren, wir können Zellen in Schwingungen versetzen, in ihnen arbeiten Ladungen. Aber die Fragestellung „Was ist Leben?“ stellt sich heute in der Form gar keiner mehr.

1 Eben, es ist natürlich eine Frage, die unsere Gesellschaft eh ausgeklammert hat. Komischerweise –weil ja an sich… Früher war das ja eine zentrale Frage, aber sie hatten ihre Standardlösung, das war die Religion. Heute haben wir diese Standardlösungen nicht mehr. Aber diese Frage wird umso mehr ausgeklammert.

2 Anscheinend ja.

1 Ein seltsamer Prozess.

2 Und damit bleibt die Frage vielleicht offen, ob Elektrizität Leben sein kann. Ich finde nur spannend, dass diese Frage heute eine ganz andere Bedeutung hat, weil wir ganz anders mit Elektrizität verbunden sind. Weil wir ja gerade zum Beispiel hier auch wireless kommunizieren. Die Nutzung dieser Phänomene … Wir sind ja mit viel mehr artifiziellen elektrischen Phänomenen umgeben. Wir leben in einem technisch gesehen viel elektrischem Zeitalter, als das, in dem man das erste Mal diese Phänomene untersucht hat.

1 Ich meine… Wenn man Elektrizität als Basis hat.. Ok, Elektrizität ist ein Spannungsunterschied, dann ist das, was wir am CERN machen auch nichts anderes als elektrische Untersuchungen. Die Spannungsunterschiede sind extrem gering, aber an sich hält dort auch alles nur zusammen wegen diesen elektrischen Feldern, oder eben magnetischen Feldern. Die aber ja auch elektrisch sind.

2 Ja, deswegen kann man sagen, dass sich die Fragestellung anhand der Elektrizität nur verschoben hat. Also ich würde es so zuspitzen dass man über die Frage nach der Elektrizität sehr viel beantworten kann, was einerseits unsere Medienzeit erklärt, aber auf der anderen Seite auch vielleicht ein Bruch in der Philosophiegeschichte darstellt.

1 Wahrscheinlich ist es auch so, wenn man diesen Bereich plötzlich mit Elektrizität umfasst und dann diese Spannungsunterschiede im Körper und diese elektrische Strahlung, magnetische Strahlung vom Körper mit den gleichen Termini bezeichnet, wie eben dann diese ganzen magnetischen und elektromagnetischen Wellen, die wir jetzt überall produzieren mit Natel und Wi-Fi und so. Man hat plötzlich mit der Terminologie gemerkt, dass das etwas Gefährliches ist, wenn man im gleichen Feld Elektrizität an zwei so verschiedenen Sachen hat und dass das eigentlich … Was diese Strahlung macht auf einem Körper, der grundsätzlich ja mit Ladungsunterschieden funktioniert, das ist ja auch eine Frage, die überhaupt nicht geklärt ist.

2 Ok. …. Hallo?

1 Hallo?

2 Ich hatte Sie grade nicht verstanden.

1 Jaja.

2. Für einen winzigen Moment. Aber das liegt vielleicht auch an diesen Feldern, mit denen wir jetzt gerade kommunizieren.

1 Genau. Also dieses Wi-Fi-Feld.

2 Was für ein Feld?

1 Ein Wi-Fi-Feld.

2 Stimmt. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, das Wi-Fi als ein Feld zu bezeichnen.

1 Es ist ja ein Feld.

2 Ja.

1 Also…

2 Ja, dann kommen wir jetzt auch nicht weiter in der Frage, die offen bleibt, ob Elektrizität Leben ist. Aber es scheint mit Leben eng verknüpft zu sein.

1 Ich find’s spannend rauszufinden, … wenn man den Körper, den Mensch wirklich als elektrisches Feld anschaut, was das bedeuten würde, vor allem heute, wo wir unsere Umwelt vollstopfen mit elektrischen Felder.

2 Ja, ja!

1 … Auch unserem elektrischen Feld.

2 Ja, das ist die Frage, was macht es, wo wir gerade mobile miteinander kommunizieren, mit uns?

1 Genau.

2 Glauben Sie, dass das Benutzen jetzt einer Wireless-Kommunikation, dass wir beide telefonieren, dass das Einfluss hat auf ihr Feld?

1 Ja, sicher. Also beim Natel, beim Mobilfunktelefon ist ja klar, es gibt diese Erwärmung, die untersucht wird. Die Frage ist nur, erstens: ist diese Erwärmung schädlich und zweitens: ist es nur diese Erwärmung? Die Erwärmung der Hirnzone ist ja erwiesen.

2 Ok.

1 Das ist ja nicht die Frage, ob erwärmt wird oder nicht. Die Frage ist, ob diese Erwärmung anders ist als wie wenn ich an der Sonne stehe.

2 Ok. Und wo ist es erwiesen?

1 Ja, diese Untersuchungen über die Schädlichkeit auf das Gehirn…und das, was sie mit Mobilfunk gemacht haben. Da kann man ganz eindeutig sehen, wie gewisse Teile des Gehirns eine gewisse Erwärmung erfahren. Das ist schon so. Also diese ganzen Untersuchungen laufen ja auf das hinaus.

2 Aha…

1 Die Frage ist nur, ist das krebserregend…

2 (zu einem Besucher) Äh entschuldigen Sie, berühren Sie den Tisch nicht. Steht auch dran. Die Arbeit fällt aus.

1 [Unverständlich] … kein Feld mehr.

2 Es tut mir leid. Können wir in diesem Moment abbrechen, ich muss kurz hier etwas machen. Ich muss hier eingreifen. Tut mir leid, aber wir setzen es gerne fort. Vielen Dank! Wiederhören!

2 Ciao.

………………………………

1 = Caller (Tel.-Nr. 1003)

2 = Callee (Tel.-Nr. 10082)

1 [Tut, Tut]

2 Hallo?

1 Ja?

2 Hi?

1 Ich hätt gern eine Frage beantwortet, hallo.

2 Hi! Bitteschön!

1 Muss ich sie stellen? Also: Welche Farbe hat die Elektrizität?

2 Ja genau. Welche Farbe –genau.

1 Ja.

2 [Unverständlich] … die möglichen Kandidaten? Was hast du dir vorgestellt?

1 Frage gegen Frage? Nee… [Unverständlich]

2 Ja, doch. Ja gut, dann sag ich jetzt einfach: Grün. Zufrieden?

1 Nö!

2 Ja eben, also, dann muss ich zurückfragen: Warum nicht? Warum nicht zufriedenstellend? Ich habe die Frage genannt.

1 Äh. Weil ich natürlich intuitiv mit Elektrizität doch etwas anderes verbinde, und das ist nicht grün.

2 Ok, gut. Sagen wir, du musst einen Film machen und in irgend einer Situation kommt Elektrizität vor. Und jetzt kannst du nicht einfach sagen, man sieht nichts, sondern du bist irgendwie darauf angewiesen die Elektrizität zu projizieren. Wie wirst du es darstellen, wenn es nicht sichtbar ist? Oder würde dir dann da nicht doch eine Farbe in den Sinn kommen?

1 Äh ne. Insoweit wie zum Beispiel auch die Sprache oder das Auditive sozusagen auch als Medium zu Verfügung stehen beim Film, dann bräuchte ich eigentlich keine Farbe.

2 Gut, all right.

1 Jetzt würde ich aber gern die Frage andersum drehen: Was wäre, wenn du deine eigene Frage beantworten müsstest?

2 Naja, wie gesagt, ich würds grün machen… Oder blau.

1 Oder [unverständlich].

2 Genau. Oder ich würds vor allen Dingen mit irgendwelchen Glasgefässen zusammenbringen. Du kannst ja einfach in den Hauptraum gehen zu Jan-Peter Sonntags Installation. Wenn du dir das Ding ankuckst, das mein ich, das ist für mich die Farbe.

1 Ok. Da seh ich.. Da hab ich Weiss, Rot und Grün. Darf ich mir eine aussuchen?

2 Ja-ha. Im Endeffekt schon. Ich mein, was soll ich hier sagen. Welche Farbe hat ein Elektron? Du hast recht, strenggenommen, aus der Physik heraus, macht das natürlich keinen Sinn. Was war die Frage; Elektron oder Elektrizität? Die Farbe der Elektrizität, richtig?

1 Ja.

2 Ja, streng genommen handelt es sich nicht um die Farbe der Elektrizität, sondern von Phänomen, die elektrisch erzeugt werden. Das zielt natürlich darauf ab zu zeigen, dass es nicht nur eine physikalische Frage ist, wo man einfach im Physikbuch nachschlägt, sondern zu sagen, es gibt auch ein Set von Farben, die wir kulturell bedingt als Elektrizität assoziieren.

1 Ne andere Frage: Kann ich die Farbe auch anders wahrnehmen als visuell?

2 Als visuell? Mh-ja…

1 Durch andere Organe?

2 Naja, sagen wir mal so: Du hast gesagt, Energie hat keine Farbe. Das stimmt so nicht, ich mein, Licht ist eine Energieform, natürlich. Nicht das, was wir unter Elektrizität verstehen, aber grünes Licht ist eine Energie auf einer bestimmten Wellenlänge und so weiter. Das ist eben das, was man im Physikunterricht eben durchnehmen würde. Man könnte jede Energie auch umwandeln, das heisst, man könnte grünes Licht auf bestimmte Sensoren schiessen die das elektrisch umwandeln und dann einen Sound ausstossen. Ich mein, wenn du dir diese Gemüse-Installation anguckst, da siehst du, dass man Elektrizität auch hören kann, zum Beispiel.

1 Mhm.

2 Letztendlich und wenn ich dich jetzt frage, was ist Elektrizität, wirst du sehen, dass es immer irgendwelche sekundären Phänomene sind. Entweder es ist eine Farbe oder es ist ein Sound – beides Phänomene, die die Wissenschaft nicht so toll findet, weil man kann sie nicht gut messen. Besser als ein Zeigerausschlag. Das wäre auch eine Farbe der Elektrizität. Und Elektrizität ist nichts anderes als ein Bündel von solchen sekundären Effekten. Elektrizität selber hat natürlich keine Farbe.

1 Ja. Leuchtet mir ein.

2 Aber irgendwie halt eben schon, wenn man es als etwas ansieht, was auch ein kulturelles Phänomen ist.

1 Weil ich es auch gern annehmen würde. Wenn ich etwas nicht sehen kann, dann bin ich froh, wenn es eine Farbe hat und dass ich es so begreifen kann.

2 Ja natürlich, klar. Wie gesagt: Man hätte auch fragen können, wie schmeckt Elektrizität oder wie hört sie sich an. Das wären Fragen gewesen, die man sich genauso hätte stellen können und die in eine ähnliche Richtung gegangen wären.

1 Genau.

2 Und ich hab jetzt nach einer Farbe gefragt, weil es durchaus in der kulturellen Wahrnehmung etwas eng assoziiert ist, wenn man sich das historisch anguckt und mal anschaut; was waren so die Geräte, die die Menschen fasziniert haben? Was waren die Effekte, die auch Leute an das Phänomen Elektrizität gebunden haben und sie dazu angeregt haben, zu forschen? Und dann waren das eben genau diese Glasgeräte, die da bei Jan-Peter Sonntag stehen und die auch in einem Video von ihm vorkommen. Wie im Labor die einfach auch auch oft dazu geführt haben, dass Forscher gesagt haben, wow das interessiert mich, das untersuche ich. Wie jemand wie Helmholz, der schreibt seiner Mutter Ende des 19. Jahrhunderts einen Brief und sagt: Ich bin hier in einer Hexenküche. Das sagt er seinen Physikkollegen natürlich so nicht, aber seiner Mutter schreibt er es. Da sieht man so ein bisschen: Es war dieses Farbspiele in den Gasentladungen, die die Forscher auch dazu bewegt haben, damit herumzuexperimentieren, Theorie zu entwickeln und letztendlich auch zu der Theorie dessen zu kommen, was die Grundlage des Begriffs der Elektrizität ausmacht, nämlich das Elektron als kleinsten Teilchens des Stroms.

1 Mhm.

2 Und ähm, dieses Elektron ist genau so in einem Glasgefäss, das leuchtet, geboren worden.

1 Genau. Gut! Danke für die Beantwortung! Schönen Abend noch, ciao!

2 Ciao, ebenso.

paradise now

Shift Festival Basel 28. – 31. Oktober 2010

„Paradise Now“ is an interactive audio-video installation that deals with the politics of body. A body, that will be written, inscribed by scripts and codes and a body that is more and more be required to also write as performer. Jean-Luc Nancy writes in his book „Corpus“ about the relations between writing and body: Writing: touching upon extremity. How, then, are we to touch upon the body, rather than signify it or make it signify? It’s tempting to reply, rashly, either that it’s impossible, that the body’s uninscribable, or that it’s a question of mimicking or merging the body with writing (dancing, bleeding … ). Unavoidable answers, no doubt, but hasty, conventional, and inadequate.“ The work „paradise now“ looks back in time to the U.S. theater performance group „The Living Theatre“ from 1968 and re-questioning this material. How is the relation of body and politics and how does performativity creates resistance in an actual everywhere surrroundig sphere of new scripts, written and executed by digital technologies. Scripts that invites us to always perform because to do so is what is asked of us. „paradise now“ deals with this idea of performativity between doing and not doing as a collective space.

The project refers to the equally named play called „Paradise Now“, which was first performed by the theater group in Avignon (France) 1968. A brief excerpt from the historic B/W film documents (which have recently been released on DVD) is used as the material for the installation. The participants of the drama group accusing about a repressive capitalist society, while they form a collective community and a choir, dressed only in a loincloth. They talk/sing the following:

the revolution doesn’t want power but me!
the revolution does not want violence but life!
the revolution is face of love!
after the revolution there will be no money!
after the revolution there will be no useless work!
what do you want? to stop wasting the planet! to stop dying of competition!

Due to digital recalculation, the movie images and sounds of the original film recordings will be projected in the space. Two video projections show two different versions of the video. The sound is recalculated from the original soundtrack and will be heard on a four channel soundsystem. The video is played by a sonic tracking system which reacts on acoustic resonance shifts in the space. Any movement of visitors will bring the playback out of freeze state and the words and sentences become alive.

 

huwwara_anybody, looking (knowbotic research)

Netherlands Media Art Institute, Amsterdam, 29.1.-31.1.2010 (preview)
plugin Basel, 4.3.2010, live -mix
FACT Liverpool, March 12 – May 23, opening: march 2011
Edith Russ Haus Oldenburg, June 11- Aug 29, 2010
Shedhalle Zurich, Überblendungen, October 9 – end of December 2010

A participative dis/play – Is the voice of the piece renarrating a TV-report about a failed and half way interrupted attack of a Palestinian boy on an Israelian checkpoint, or, unfolding a fictive imagination about a hybridisation of the suicide bomber with a military robot and its surrounding security architecture into an undecodable animated being?

huwwara _ anybody, looking will be set up as an installation consisting of different sets, media and viewing formats (audio piece, single screen computer-animation, double-screen interactive video). The installation is based on a re-enactment of a Youtube archived footage, a report of the Israelian TV Channel 2. It enables the observer – „the third position“, an irritating immersion in his/her ways of looking at and perceiving of extremely overcoded media protagonists aside from a doubled gaze/projection towards an apparently inconspicuous, neutral silhouette of a Palestinian city at night.

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my_Black Cat (knowbotic research)

9.6.2008 NAMOC Beijing, “Synthetic Times”
7.2.2009 ARoS, Aarhus Kunstmuseum, Enter Action-Digital Art Now
22.10.2009 Laboral Gijon, FEEDFORWARD – The Angel of Historyparadise

Aros Kunstmuseum, Aarhus 2009

My black cat is black
My black cat is rebellious
My black cat is not easy to control
My black cat is not a variable
My black cat is undefinable
My black cat is irregular
My black cat is illegal

In this installation, 30 black balloons, filled with Helium, hover freely in space, suspended in a state of limbo, kept in subtle motion by an intermittent breeze of air. The audience is free to play with these balloons, yet a wall painted tag says:
SUPER-EXTRA DON’T MOVE!
A sound system emits standing waves and tracks the sonic feedback in order to monitor the positions and changing configurations of the balloons. The system calculates and modifies its sound frequencies according to the locations of the balloons, thus creating a resounding ambience in the space.

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video

naked bandit/code work (knowbotic research)

TENT, Witte de With Rotterdam, 2004
NAMOC ,Beijing 2008

the project forms part of a series of works that engage with the experience of total inclusion, and with hypothetical scenarios for becoming able to act in a situation where independent action is systematically denied. Naked Bandit / here,not here / white sovereign is based on a technical scenario, represented through a software process, in which one ‚parent‘ process controls another, the ‚child‘ process. In analogy to Giorgio Agamben‘s analysis of the homo sacer, the ‚nude bandit‘ is a figure caught up in a dependent relationship in which it has to report its continued presence (‚here‘), yet, is prevented from acting or leaving (‚not here‘). By offering an interface for a basic intervention into this scenario, the exhibition visitors are confronted with their implication into situations where the modern state systematically prevents people in the margins of society, from engaging their human and citizen rights.

two scenarios were transfer into script code, executable in a Unix shell on a personal computer, the legalistic codes (or, more aptly, codes which produce an exemption from legality) of the white sovereign’s inclusive exclusion of the naked bandit. The shell scripts appropriate the mechanism of the inclusive exclusion in order to in order to transgress experimentally its paradoxical logic.

scenario A modifies itself:
export white_sovereign='not_here() { while [ enclosed ] ; do echo "naked bandit: here, not here"; echo $white_sovereign| sed -e "s/ ( not_here ) /(& \& ) /g"> clone.sh; done; } ; ( not_here ) & wait $!' ; sh -c "$white_sovereign"

scenario B forks itself:
not_here() { echo "$! ">.key; here & wait $! ; } ; here() { while [ enclosed ];do echo "naked bandit: here, not here";done; } ; ( ( not_here ) & while true;do echo "white sovereign: naked bandit here, not here";done )

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mindsofconcern :: breaking news (knowbotic research)

03.05.2002 New Yorker, New Museum, Open_Source_Art_Hack

knowbotic research’s Minds of Concern::Breaking News consists of a gallery installation, web interface, and news-tickers. The project web site contains a Minds of Concern list of groups, movements, and non-governmental associations (NGOs) that have a global presence on the Internet. By clicking a name, visitors trigger a set of network processes that investigate the security conditions of a group’s server. The results are made available on a news-ticker that literally „visualizes“ the strength or vulnerability of a server and strobe lights and sounds correspondingly vary in intensity in the gallery installation.

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scanner

crack it! (knowbotic research)

How to crack it!‘ was the information and encouragement the computer magazine PC Online offered to readers in issue 10/2000, followed by precise instructions on how to take part in the boldly announced scheme: ‚The CD supplied with this issue contains the brute force attack software you need to participate to crack the password. After installing the program, dial into the Internet, where you can start to attack the Hamburg server and join the hot action.‘ Behind the journalistic hype lies xxxxx connective force attack: open way to the public (, realized in collaboration with the Hamburg Kunstverein and the Hamburg Subway.

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io_dencies//lavoro immateriale (knowbotic research)

IO_lavoro immateriale is a collaborative database on the Internet, generated during the time of the Venice Biennale ’99 by Maurizio Lazzarato (political theorist), Luther Blisset (collective of media activists), Michael Hardt (philosopher), Hans Ulrich Reck (media theorist), Enzo Rullani (economist) and Iaia Vantaggiato (journalist). The database serves as an open discursive machine to question the current conditions of creative action and production in society. Starting from the analysis of ‚immaterial labour‘ (all forms of creative, intellectual and affective labour are fully integrated and essential factors in the dominant economical production), the group collaboratively searches for contemporary political forms and concepts of creative actions in the public sphere of Italy today.
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anonymous muttering (knowbotic research)

DEAF 1996 Rotterdam
Digital Dreams 4 Newcastle 1996
Steierischer Herbst Graz 1997

„AM anonymous muttering“ 1996 – 1997 public sphere urban Interfaces Web interface interventions in urban and electronic sounds analog and digital interfaces live-webcast In the project Anonymous Muttering, Knowbotic Research organises unpredictable light and sound events which can be experienced in specially develeloped outdoor location at outdoor locations as well as via this website. The sounds produced by DJ’s at several clubs are taken live and are transformed by a computer set-up into fragments of digital information. This digital material can then be worked on, manipulated and recombined. By bending and folding the graphic interface on the website the sounds are transformed into new shapes. This can be heard live with a RealAudio player, a sort of direct broadcasting via the Internet. Visitors at the outdoor locations can fold a special a silicon membrane. The effects of this intervention can be heard in a 3D sound environment. They also trigger the lights in two vertical circles of stroboscopes and thus wrap the visitor in a dense feltof lights and sounds. Thus it is impossible to decide who produces which effects: the visitors in the urban space, the visitors on the Net and the computer set-up operate together and produce an anonymous and unpredictable output.

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