Wissen im Zirkel

In einer Zeit, in der der Begriff Remigration in politischen Diskursen immer öfters auftaucht, versucht die Arbeit “Wissen im Zirkel” diesen Begriff anders zu denken.

Wissen im Zirkel ist ein länger angelegtes Projekt, das mit einem Landis & Gyr Recherchestipendium 2022 in Sofia, Bulgarien, begonnen hat. Die Bevölkerung Bulgariens hat sich seit 1990 von knapp 9 Millionen auf etwa 6,8 Millionen Menschen im Jahr 2022 verringert, wobei der Grossteil in die EU und nach Grossbritannien migriert ist. Für das Projekt wurden Menschen in Bulgarien interviewt, die im Ausland längere Zeit gelebt hatten und sich dann wieder entschlossen haben, nach Bulgarien zurückzukehren. Dabei entstand ein umfangreiches Interviewarchiv. 

Aus diesem Interviewarchiv ist ein Hörstück entstanden, in dem Migration nicht national, sondern als eine Art Austausch von Wissen und Erfahrungen gedacht wird. Dabei geht das Hörspiel Fragen von Ungleichgewichten, unsichtbaren und minoritären Formen des Wissens nach und experimentiert mit Nachahmung als Tauschform. Im Hörspiel spielen die Tonaufnahmen von Staren, die auf ihrer Zugroute damals in Sofia Halt gemacht hatten, eine wichtige Rolle. Stare sind auch für ihre musikalischen Fähigkeiten bekannt, andere Tiere, Menschen und technische Geräte nachzuahmen. Neben der reinen Hörspielversion, die 45 min lang ist, gibt es eine live gespielte Form von „Wissen im Zirkel“ in der ein Vorspiel eine auf 20 min gekürzte Fassung vorbereitet. Das Vorspiel, die Ouvertüre, baut auf kurzen Ausschnitten aus dem Interviewarchiv und einem bulgarischen Volkslied auf, das live per selbst entwickelter Software gespielt wird und neu zusammengesetzt wird.
Zu hören sind Stare in Sofia, Field Recordings, Vogelstimmen-Imitatoren, Stare, die andere Vögel und Umweltgeräusche imitieren, digitale Vogelstimmen, ein mitsingender Synthesizer und eine Gesangs-KI.